Achtung, Achtung: Hier kommt keine Kunst. Hier kommt Smartshit.
Smartshit ist nichts Großes und nichts Wildes. Es geht um Gedanken, die ich mir zu einigen Prinzipien des Lebens und Lebenlassens mache. Denn manchmal erscheint mir diese Welt, die wir Planet Erde nennen, wie ein riesiger Knäuel in sich verwobener Ironie.
Immer wieder schlägt sich diese Ironie auch in der Sprache nieder. Nicht nur in der Phonetik oder im Witz an der Geschichte. Die Ironie steckt auch in der Sprache selbst. In ihrer Grammatik und in ihrer Linguistik. Zumindest kann man es manchmal so sehen. Wenn man will.
Smartshit #1: Life

Die leichtfüßige Betrachtung unserer Welt fällt mir nicht immer leicht. Oft genug packt mich der Zorn am Kragen und die Melancholie hält ihm dabei den Mantel. Dennoch grabe ich gerne mal in den Tiefen meiner Gehirnwindungen und versuche auszudrücken, was ich ausdrücken kann.
Smartshit #2: World

Beizeiten wird der ein oder andere Smartshit dazu kommen. Wem Smartshit gefällt, kann ihn gerne zu nichtkommerziellen Zwecken mit Quellenangabe verwenden oder re-posten.
Smartshit gibt es auf Wunsch auch zu kommerziellen Zwecken und gedruckt auf Leinwand oder als Fineart-Print in Kooperation mit der Kölner Kunstdruckbar. Machen Sie mir bei Interesse doch einfach ein Angebot, das ich nicht ablehnen möchte. Ich bin gespannt.
Smartshit #3: Sex

[Smartshit sind meinem Gehirn entsprungene Slogans und Sprüche auf Bildern, die ich mit meinem Handy von Wänden mache. Sie unterliegen dem deutschen Urheberrecht]
Posted: February 3rd, 2012
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Aha, der Sohn eines guten Bekannten möchte Regie studieren!?
Der junge Mann will sich also tatsächlich ins Haifischbecken Medien begeben. Ich gratuliere. Das wird auf jeden Fall eine spannende Erfahrung. Zumindest für ihn. Wenn er es schafft, interessante, innovative Akzente zu setzen, dann mit Sicherheit auch für alle anderen mehr oder weniger dicken Fische, die sich dort tummeln.
Die Frage, ob ich als Medianautiker ein paar Tipps für seinen Sohn hätte, hat mich zum Nachdenken gebracht. Mit dem Ergebnis folgender 5 Faktoren für eine viel versprechende Karriere im Medienbusiness auf kreativer Ebene. Oder auf medianautisch: Ohne sie gehst Du ins Netz. Mit ihnen gehst Du überall hin:
Kreativität: Ohne Ideen geht gar nix, wenn Du inhaltlich arbeiten willst. Content is king. Gute Ideen sind die wahre Währung im Medienbusiness. Hast Du keine Ideen, hast Du als Kreativer dort nichts verloren. Aber dann kannst Du immer noch zum Sicherheitsdienst.
Glaubwürdigkeit: Beim Sprung ins Haifischbecken Medien sollte man bedenken, dass dort Viele gern viel zu erzählen, aber nur Wenige was zu sagen haben. Viele erzählen auch gern das eine und tun das andere. Insofern kann man also einfach mit dem Strom schwimmen und genau so agieren. Es nimmt einem niemand wirklich übel. Es gehört vielerorts sogar zum guten Ton. Willst Du Dich jedoch unterscheiden, dann zeig’ Dich in Deinen Aussagen und in Deinem Zusammenspiel zwischen Reden und Handeln verlässlich und Du erlebst völlig überraschte Gesichter. Dann liegt es an Dir, was Du daraus machst.
Hartnäckigkeit: Viele Jungfische tauchen enthusiastisch und voller Tatenhunger ins Haifischbecken Medien ein, machen jedoch einen Fehler: Sie erwarten zu schnell den großen Erfolg. Bleibt er nach dem zweiten Kurzfilm oder nach der dritten Präsentation aus, sind sie enttäuscht. Ist ja auch wirklich eine Frechheit, dass das eigene Genie nicht erkannt wird, aber was willste machen!? Für ein Genie hält sich jeder. Also ist Durchhaltevermögen gefragt. Vor allem dann, wenn man an eine Idee glaubt, für die die Zeit vielleicht einfach noch nicht gekommen ist. Frag’ mal Georg Lucas, wie lange er mit der Idee für Star Wars Klinkenputzen gegangen ist. Über 10 Jahre.
Gelassenheit: Nein, man braucht sich wirklich nicht immer so wichtig nehmen. Vor allem sollte man sich nicht lauthals darüber echauffieren, wenn andere es tun. Lieber genüsslich in sich hinein lächeln. Denn für die wahren Cracks, für die besten Medienmacher hat dieser Jahrmarkt der Eitelkeiten seinen oberflächlichen Zauber schon längst verloren. Für sie ist die Medienbranche eben ein sinnvolles Gebiet, auf dem sich profitable Geschäfte mit anderen Freaks machen lassen. Denn das ist das Gute in der Mediasphäre: Hier findet jeder Verrückte mindestens einen, der noch verrückter ist als man selbst.
Mut: “Eier, wir brauchen Eier”. Das wusste schon Oliver Kahn. Denn ohne Mut hast Du’s nicht gut. Das gilt für das Haifischbecken Medien genauso wie für den Löwenkäfig Fußball. Dazu gehört auch der Mut, Regeln zu brechen. Vorher sollte man die Regeln allerdings kennen. Denn sie ändern sich nicht, nur weil man es vielleicht gerne so hätte. Hat man auch den Mut, auch sich selbst in Frage zu stellen, immer wieder, und daran nicht zu verzweifeln, sondern neue Kraft zu schöpfen, immer wieder, dann sollte man einfach guten Mutes in dieses Haifischbecken hinab tauchen. So unbeschwert wie möglich, so abgebrüht wie nötig. Auch Haie kochen nur im Wasser.
Posted: January 1st, 2011
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Das 21. Jahrhundert: Hier ist alles so social.
Social Media, Social Bookmarks, Social Networks, Social Investments, Social Engineering, Social Software etc. Nur das Sozialamt heisst nicht mehr Sozialamt, sondern ARGE.
Im Zuge dessen habe ich mir ein paar neue Social Begrifflichkeiten überlegt. Bestimmt sind sie nicht ganz ernst zu nehmen, vielleicht auch nicht ganz von der Hand zu weisen:
Social Reibach: Erfindungen & Entwicklungen im Zuge des Zeitgeistes (>> Zeitgespenst) im Zeichen der Wissenschaft, die der Allgemeinheit, mitunter auch dem Portemonnaie der Erfinder zu Gute kommen, Z.B. Public Viewing, Strandbars auf Parkhäusern, MP3.
Social Jetlag: Dieses gewisse Gefühl der Reizüberflutung durch intensive, bewusste & unbewusste Interaktion mit anderen Menschen, z.B. nach Konferenzen, wo vorwiegend aneinander vorbei geredet wird. Ebenfalls anzutreffen nach mehrstündigen Aufenthalten bei Massenveranstaltungen sowie in urbanen Fußgängerzonen.
Social Hangover: Die erweiterte Form des Social Jetlag in Verbindung mit dem Konsum alkoholischer Destillate. Vorzufinden insb. nach Volksfesten. Gerne einher gehend mit dem Auftreten von Tieren, vorwiegend von Katern.
Social Sex: Knutschen im Cafè, Fummeln im Aufzug, so dass auch die Mitmenschen etwas davon haben. Denn gelebte Gefühle haben selten geschadet. Vielleicht stecken sie sogar an. Geküsst werden möchte schließlich jeder. Es fragt sich nur, von wem.
Social Crime: Böses tun und damit Gutes bewirken. Als Urväter des Social Crime gelten die Social Criminals Robin Hood und Batman.
Social Unfug: Die kleine Schwester des Social Crime, insb. praktiziert bei Flashmobs.
In diesem Sinne: Don’t critisize it. Socialize it.
Wieviele Gesichter hat eigentlich die Wahrheit? Das kommt ganz darauf an, wie man Wahrheit definiert.
Geht es um persönliche Empfindungen, Meinungen und Einschätzungen von Ereignissen, Entwicklungen und Entdeckungen, hat jeder seine eigene Wahrheit. Das ist auch gut so. Schließlich haben wir nicht nur den freien Willen im Betriebssystem Mensch vorinstalliert. Die Meinungsfreiheit ist, zumindest in demokratischen Systemen, sogar im allgemeinen Verhaltenkodex verankert. In Deutschland heisst das Grundgesetz.
Komplexer erscheint das Thema Wahrheit, wenn man versucht, die Dinge objektiv zu betrachten. Ein Thema, ein Ereignis auf die Darstellung des rohen, essentiellen Sachverhalts herunter gebrochen, scheint manchmal umso mehr Schwierigkeiten zu erzeugen, umso klarer die Dinge sind. Ein gutes Beispiel ist hier die Frage nach der physikalischen Beschaffenheit unserer Lebensraumes. Die Erde ist rund, keine Frage. Jedoch nicht für alle. Es gibt tatsächlich Leute auf diesem Planeten, die Mutter Erde nach wie vor für eine Scheibe halten (wollen). Da geben sich manche fundamentale Christen und orthodoxe Muslime (muss man sehen!) nicht viel.
Woher kommt bei manchen Menschen eigentlich dieses prinzipielle Dagegen? Vielleicht sind die Dinge manchmal einfach zu klar. So klar, dass man sie einfach nicht wahrhaben will, weil sie der persönlichen Wunschwelt oder dem individuellen Werteempfinden entgegen streben. Man hat’s ja auch nicht einfach in dieser komplexen Welt. Da kann man schon mal eine Scheibe bekommen. Nach der Freudschen Projektionstheorie liegt es dann nahe, dass man diese Scheibe auch in seiner Außenwelt erkennen möchte. Oder wie es Sigmund Freud bezeichnete: Projektion ist das Verfolgen eigener Wünsche in anderen.
Freud hatte diese tiefenpsychologischen Erkenntnisse bekanntlich schon Anfang des 20. Jahrhunderts. In einer Zeit, in der es um Medien noch nicht besonders vielfältig oder gar multimedial bestellt war. Fotos gab es schon, laufen lernten Bilder jedoch erst später, was zu folgender Frage führt: Wenn die Projektion, also das Übertragen eines innerpsychischen Zustandes in die Außenwelt bzw. auf andere Menschen schon in einer Welt ohne große technische Beeinflussung funktionierte, wie sehr mag sie heute in Zeiten von TV, Photoshop, After Effects und Internet das zwischenmenschliche Leben beeinflussen?
Da kommen wir zum Phänomen namens Manipulation. Manipulation, diese kleine Schwester der Tyrannei, zieht sich wie der Wunsch nach Liebe durch die Geschichte der Lebensform Mensch seit ihrem Entstehen. Zumindest, wenn man der Bibel Glauben schenken mag, seit Eva den berühmt-berüchtigten Apfel auftischte. Ein Tusch für die Bibel, die Mutter aller Fantasy-Romane.
Zurück zur Wahrheit. Zur Erzeugung von Wahrheiten. Zu Erschaffung von dem, an das man glaubt. Auf manipulativer Basis betrachtet, zur Schöpfung dessen, an das andere Menschen glauben sollen. Oder auf neudeutsch, modern ausgedrückt, zur geheimnisvollen Welt des Fakes, der die Wahrheit so schön verwässert. Wie z.B. die Mär von der Vogel Strauss- Taktik, denn kein Strauss steckt in Wahrheit seinen Kopf in den Sand.
Wenn man sich vor Augen hält, was seit Freuds Entdeckung der Projektion hinsichtlich Lügen, die als Wahrheit verkauft werden, alles passiert ist, können einem schon mal die Synapsen auf der Nase herum tanzen. Man kann niemandem wirklich einen Vorwurf machen, der nicht mehr weiss, was er glauben soll, der in den Medien nicht mehr recht zwischen Fakes und Wahrheiten unterscheiden kann. Dafür sorgen schon alleine technische Perfektionierungsmöglichkeiten, aber auch das scheininformative Set-Up der letzten Jahrzehnte.
Kurz nach Freud begann es mit der berühmten Landung Außerirdischer in der amerikanischen Provinz. Im Radio übertragen stand ganz Amerika Kopf und wusste weder ein noch aus. Ein genialer satirischer Schachzug von Orson Welles, sozusagen der rundfunktechnische Ur-Fake. Er hatte eine solche nachhaltige Wirkung, dass manche Menschen, die am 11.09.2001 Radio hörten, auch zuerst dachten, sie hören ein krasses Hörspiel, als sie vom einstürzenden World Trade-Center hörten. Unter anderem ich.
Nach der gefakten Landung Außerirdischer landeten bezeichnenderweise zwei sonderbare Gestalten namens Joseph Goebbels und Adolf Hitler an den Mikrophonen der Volksempfänger. Niemand weiss, von welchem Planeten sie stammten. Sie verstanden es jedoch ausgezeichnet, die manipulative Kraft des Fakes hinsichtlich der mangelnden Wahrnehmungssicherheit vieler Menschen auf zweifelhafte Weise auszunutzen. Jeder weiss, was daraus entstand. Niemand sollte es vergessen.
Danach wurde es etwas ruhiger um mediale Fakes. Wen wundert’s!? Im Zuge der Flowerpower-Bewegung erstrahlte der Fake dann jedoch zu neuer, auf links gedrehter Blüte, als Leute wie Hunter S. Thompson und die Beatniks die Medien mit Gonzo-Journalismus und anderen schrägen Texten & Filmen zwischen Schein und Wirklichkeit bereicherten. Klassische Fakes waren das nicht, aber sie führten dazu, dass reale Ereignisse plötzlich von vielen Leuten als Fake betrachtet wurden. Die Legende von der gefakten Mondlandung hält sich beispielsweise bis heute. Die Frage, warum die US-Flagge weht, wo es doch auf dem Mond gar kein Wind gibt, scheint durchaus berechtigt. Allerdings könnten die Leute von der NASA auch einfach diesen Umstand bedacht haben, so dass auf dem Mond eine präparierte Fahne steht, die einfach nur so aussieht, als ob sie weht (>> Knitterlook). Schließlich will niemand eine Fahne sehen, die einfach so herunter hängt.
In den 80ern schien dann die Zeit für eines der größten Husarenstücke in Sachen Fake jemals gekommen: In seinem stillen Kämmerlein verbrachte ein schwäbischer Maler namens Konrad Kujau viel Zeit damit, Adolf Hitler sonderbare Worte in den Mund zu legen. Die Hitler-Tagebücher waren geboren. Als sich heraus stellte, dass es sich um Fälschungen handelt, war das Geschrei groß. Nicht auszudenken, wie sich die Welt entwickelt hätte, wenn dieser Fake nicht aufgedeckt worden wäre. Was würden wir heute glauben? Was würden wir heute über Adolf Hitler denken? Spätestens, wenn das Bernsteinzimmer entdeckt wird, werden wir es wissen. Dort befinden sich neben all dem sagenumwobenem Geschmeide bestimmt auch die echten Hitler-Tagebücher. Jaja.
Nach den Hitler-Tagebüchern war es schwer, in Sachen Fake noch einen drauf setzen. Allerdings schreiten die BILD und andere Vertreter der Yellow-Press so laut nach einer Verballhornung, dass Anfang der 90er Jahre der Phantasiejournalist Joachim Steinkamp mit seinen kreativen Kollegen ein Einsehen hatte und die unvergessliche Neue Spezial auf den Printmarkt brachte. Endlich gab es Schlagzeilen und Artikel, die man so gerne glauben wollte und doch nicht durfte. Menschen, die sich selbst heirateten; Flugplätze, auf denen nur gelandet, aber nicht gestartet werden durfte; Männer, die den Orgasmus vortäuschen. Die Stories waren teilweise so absurd, dass sie fast schon wieder echt gewesen sein könnten. Vor allem aus heutiger Perspektive, wo diese Welt noch viel verrückter scheint als man sie jemals mittels Fake hätte beschreiben können.
Ein weiteres Fake-Highlight folgte Mitte der 90er: Ein Journalist namens Michael Born trommelte seine Kumpels zusammen, gab ihnen Fackeln, seltsame Gewänder und schwarze Hüte und ließ sie nachts über einen Acker tanzen. Das Ganze filmte er und verkaufte es als Exklusiv-Story über den Ku-Klux-Klan an Stern TV. Wieder war das Geschrei groß. Zuerst in Form von Jubel über die investigative, journalistische Klasse dieses mutigen Journalisten. Später, als es heraus kam, weil alles irgendwann heraus kommt, als wildes Empörungsgeschrei. Wie konnte er nur dieses ernste Thema verhohnepiepeln und diese angesehene TV-Sendung Stern TV in einem derart falschen Licht erscheinen lassen? Wie konnte er nur? Naja, er konnte, weil’s er konnte.
Was Born kann, kann ich aber auch, dachte sich dann im ersten Jahrzehnt unseres neuen Jahrtausends ein anderer Journalist namens Tom Kummer. Also besuchte er bekannte Künstler und andere Prominente und machte spannende Interviews mit ihnen. Besser gesagt, er schrieb, was ihm in den Sinn kam, denn eigentlich war er nie bei den Promis, geschweige denn hat mit ihnen gesprochen. Auch daraus entstand dann der Begriff des Boderline-Journalismus, bei dem die Fiktion als Wirklichkeit verkauft wird. Also ungefähr so, wie es die BILD und andere Yellow-Press-Organe schon seit langem machen. Nichts wirklich neues, aber in neuer Garderobe bzw. mit neuem Aufhänger sehr effektiv. Der Leser bzw. Zuschauer ist ja gerne auch mal gutgläubig. Hauptsache, eine Geschichte gefällt ihm. Deshalb hat Mark Zuckerberg wahrscheinlich auch den Gefällt-mir-Button geklaut.
Heute, in den sog. 10er-Jahren ist der Fake endgültig in der breiten Masse bzw. bei Hempels AUF dem Sofa angekommen. Millionen von Menschen ergötzen sich allnachmittäglich an Scripted-Reality-Formaten wie Betrugsfälle und Mitten im Leben. Rein erfundene Geschichten über zwischenmenschliche Emotionsfeuerwerke aus Eifersucht, Gier, Hass & Enttäuschung. Ob die vielen Couch Potatoes wissen, dass die Stories gefaked sind, vermag ich nicht zu sagen. Wahrscheinlich ist es ihnen egal. Hauptsache, sie fühlen sich gut unterhalten. Also hat der Fake auch etwas Gutes? Zumindest für den Kontostand der Produzenten. Wie es um deren Karmastand bestellt ist, vermag ich auch nicht zu sagen. Zumindest habe ich es in den späten 90ern nicht lange ausgehalten, Talkshows zu verarschen als ich mitbekommen habe, dass viele Zuschauer die Sendungen für echt hielten. Ab diesem Zeitpunkt habe ich begonnen, an dem zu zweifeln, was ich da fabriziere.
3 Monate später, nachdem ich aus der Produktionsfirma ausgestiegen bin, fand ich mich in Bangkok wieder. Dort war das TV-Programm auch nicht besser, im Gegenteil, aber die Thai-Currys und Cocktails. Und vor allem waren sie echt., was mich dazu veranlasste, noch einige Jahre über das alles in aller Ruhe nachzudenken. So eine Defragmentierung der eigenen Psyche tut nämlich gut. Auch sich selbst in Frage zu stellen. Auch wenn das nicht immer einfach ist und manchmal sogar weh tut. Man fühlt sich anschließend einfach besser, kompletter, ganzer. Kann ich nur empfehlen. Denn Schein oder Nichtschein, das ist hier die Frage.
Bleibt die Frage, wie geht es in der Welt der Fakes nun weiter!? Was kommt nach Orson Welles, Konrad Kujau, Michael Born und Scripted Reality?
Nach Berthold Brechts Radiotheorie gibt es auf medialer, kommunikativer Ebene gar keinen Unterschied zwischen Sender und Empfänger. Jeder ist Sender, jeder ist Empfänger, im Rahmen eines ständigen Austauschs von Informationen, auf bewusster und unbewusster Basis. Demnach ist auch jeder Opfer und Täter zugleich, was Manipulation betrifft. Und seien wir doch mal ehrlich: Wer hat nicht schon einmal irgendwas oder irgendwen manipuliert. Die Projektion lässt grüßen. From Face 2 Face. From Fake 2 Fake. Aber ist doch auch halb so wild, wenn man sich der Sache bewusst ist. Dann kann man auch verantwortungsvoll damit umgehen oder es zumindest versuchen. Der Gedanke zählt. Er ist schließlich frei.
Der Publizist Hans Magnus Enzenberger hat in seinem Medienbaukasten 1970 eine bemerkenswerte These aufgestellt: Die Frage ist nicht, ob die Medien manipuliert werden oder nicht, sondern wer sie manipuliert. Ein revolutionärer Entwurf muß nicht die Manipulateure zum Verschwinden bringen; er hat im Gegenteil einen jeden zum Manipulateur zu machen.
Genau darum geht es. Denn Manipulation ist menschlich. Schon seit Urzeiten. Siehe Evas Apfel. Es geht nicht darum, Manipulation zu verteufeln oder zu verhindern. Wer Manipulation abschaffen will, muss den Menschen abschaffen. Was hätte man davon? Es könnte einen ja niemand mehr beglückwünschen zu dieser ach-so-hehren Aktion.
Jeder manipuliert, jeder wird manipuliert. Wir befinden uns in einer stetigen, globalen Manipulationsblase, die sich immer wieder selbst erneuert, an neuen Fakes nährt, auch wenn eine Blase in der Blase platzt, wie jüngst die Immobilienblase. Wer den Fake als legitimes, zwischenmenschliches Stilmittel anerkennt, für den verliert er vielleicht seinen Schrecken. Denn auf spielerischer Ebene ist die Täuschung ja schon längst ein anerkanntes Verhaltenstool. Kein guter Flirt ohne Augenzwinkern. Kein gutes Pokerspiel ohne einen gekonnten Bluff. Kein Dribbling über die Außenbahn von Lionel Messi ohne wirkungsvolles Täuschungsmanöver.
Dennoch muss es auch ein Gegengewicht geben, sonst gerät die Welt völlig aus den Fugen. Ehrlichkeit und Authentizität sind nicht umsonst angesehene charakterliche und kommunikative Güter zwischen Sender und Empfänger. Zu Recht. Denn wo kämen wir hin, wenn jeder nur noch faked. Vielleicht ein Programm weiter im nachmittäglichen TV-Programm. Wem das reicht, bitte schön. Der sollte allerdings auch ab und zu unters Sofa schauen. Der Dreck räumt sich nicht von alleine weg und auch der Schein hat viele Gesichter. Von der Süffisanz im Augenzwinkern der Satire bis hin zur kalten Fratze der Gier.
Posted: October 29th, 2010
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Zu ungeahnter Anwendungsbeliebtheit kommt in diesen Tagen eine Strategie aus der Tierwelt, insb. wenn es darum geht, Probleme zu lösen oder über Unstimmigkeiten zu kommunizieren: Den Kopf in den Sand stecken – die altbekannte Vogel Strauss-Taktik.
Man könnte es auch als pure Ignoranz beschreiben, eine Art der Aggression, weil man den anderen im spekulativen Regen stehen lässt, in Unwissenheit darüber, was eigentlich los ist. Oft zu erleben sowohl B2B (>> Business) als auch in persönlichen Beziehungen.
Duchaus interessant erscheint dabei die Frage, was man sich mit dem Kopf im Sand verspricht, außer dass es vielleicht bequemer ist, sich mit etwas nicht auseinander setzen zu müssen.
Noch interessanter finde ich allerdings die Tatsache, dass es sich bei dieser viel zitierten Vogel Strauss-Taktik schlichtweg um ein Märchen handelt, das jeden Wahrheitsgehalt entbehrt. Kein Vogel Strauss steckt in Wirklichkeit seinen Kopf in den Sand. Warum sollte er auch. Da bekäme er nur Sand in die Augen, Ohren und Nase und würde sich Infektionen zuziehen.
Menschen praktizieren jedoch weitläufig eine Strategie aus dem Tierreich, die überhaupt keine ist, und machen den Vogel Strauss damit zu einem der Sündenböcke der Evolution.
Insofern erscheint mir die wirkliche Vogel-Strauss-Taktik eine ganz andere: Auf dicken Eiern einen langen Hals machen und wenn einer was dagegen hat, immer schön drauf einhacken!
Nein, ich nehme mich davon gar nicht unbedingt aus. Ich entschuldige mich jedoch bei Dir, geschätzter Vogel Strauss, für alle, denen Du nie ein Vorbild warst.
Posted: October 17th, 2010
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