News for the ‘Zeitgespenst’ Category

WWYD // WE WANT YOUR DAUGHTERS

WWYD? Ein neues medianautisches Projekt ist auf der Spur!

Mit Kristina Enders habe ich die Webgalerie + Wanderausstellung WWYD // WE WANT YOUR DAUGHTERS mit einzigartigen Zeitdokumenten aus den 60ies und 70ies des Emotiographen John Chikago ins Leben gerufen. Später werden weitere Künstler/Fotografen dazu kommen.

Für diese Wanderausstellung suchen wir geeignete Locations. Galerien sind gut. Museen auch.  Aber dort ist Kunst keine Kunst. Oder sagen wir: Dort ist Kunst nicht überraschend. Gerne bringen wir WWYD dorthin, wo man Kunst nicht auf den ersten Blick vermutet, z.B. in Cafés, Restaurants, Frisöre, öffentliche Einrichtungen oder zur Zwischennutzung in leerstehende Ladenlokale.

Am 08. Juni 2011 feierte WWYD im Kölner Betahaus Premiere. Die Ausstellung läuft bis August. Alle Freunde bewegender Foto-Kunst aus einer wilden Zeit sind herzlich eingeladen. Weitere Ausstellungen, u.a. bei einem Düsseldorfer Szenefriseur befinden sich in Vorbereitung.

Nähere Infos, auch über John Chikago finden sich in diesem Artikel bei SPIEGEL.DE und auf der Website des Kreativclusters des Landes Nordrhein-Westfalen bei CREATIVE.NRW.

Jahresausblick 2011: Messias gesucht

Nach diversen Jahresrückblicken sehe ich mich zu einem medianautischen Jahresausblick nach 2011 ermuntert. Eins steht schon mal fest, von Q1 bis Q4: Alles bleibt – anders!

Januar: Gleich zu Beginn des neuen Jahres kommt es beim traditionellen FDP-Dreikönigstreffen zum Paukenschlag: Zum Treffen erscheinen überraschend die Könige von Saudi-Arabien, Spanien und Schweden und erklären Guido Westerwelle zum Messias. Die Welt bangt. Hoffentlich ist von den Millionen Kreuzen, die für Westerwelle bei der Bundestagswahl gemacht wurden, bis Karfreitag noch eins übrig.

Februar: Schwerer Anschlag erschüttert Berlin. Vor dem Reichstag explodiert ein Güllewagen. 32 Menschen werden mit Kuhmist bekleckert, darunter Grünen-Chefin Renate Künast. Als Täter kann der 53jährige Deutsch-Afghane Haschem Oda Hasch Emnet gefasst werden. Seine Motive: Die Bundeswehr hat sein Mohnfeld nieder gemäht. Im Zuge ziviler Aufbauhilfe soll er dort nun Rucola und Balsamico-Essig anbauen. Doch damit kennt er sich nicht aus. In einer rührenden Entschuldigungsrede auf Youtube erobert Haschem Oda Hasch Emnet die Herzen der Massen. RTL verpflichtet ihn daraufhin als Kandidat für die nächste Staffel von Bauer sucht Frau.

März: Schwere Zeiten für die FDP. Sie liegt nur noch bei 0,8 Prozent. Doch Guido Westerwelle gibt nicht auf. Er klettert auf die Zugspitze, hält eine mitreissende Rede und verwandelt Schnee in Wein. Kurz vor dem Ertrinken in einem 86er Chateau Rothschild kann er von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle gerettet werden. Gerade noch. 3 Tage später liegt die FDP bei 15 %. In der Presse ist vom Messias-Effekt zu lesen. Währenddessen macht in der Fußballbundesliga der 1.FC Köln von sich reden. In der Rückrunde hat Köln noch kein einziges Tor geschossen, steht abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz. Nationalstürmer Lukas Podolski verlässt daraufhin beim Spiel in Mönchengladbach das Spielfeld, klettert auf die Heimtribüne und jubelt für den Erzfeind, der Köln mit 13:0 besiegt. Podolski taucht unter.

April: Umweltkatastrophe in der Nordsee: Eine Bohrinsel von Shell explodiert. Millionen Liter Öl laufen aus und verpesten das Wattenmeer. Gudio Westerwelle eilt nach Sylt, um höchstmögliche Betroffenheit auszusprechen. Dabei wird die Welt Zeuge eines Wunders, als Westerwelle auf das Meer hinaus läuft. Kann er tatsächlich über Wasser gehen? Nein, aber über Erdöl. Nach einer mitreissenden Erklärung, die er mitten auf dem Meer über den Ölfilm wandernd, hält, trifft sich der neue Messias zu einer spontanen Feier in der Sylter Sansibar, zu der auch alle gutaussehenden Sylter Surfer eingeladen sind. RTL überträgt die Feier live und stellt einen neuen Quotenrekord auf. Guido Westerwelle fällt um 8 Uhr morgens völlig besoffen ins Koma. Erst 3 Tage später wacht er wieder auf.

Mai: Sensation in Nord-Korea: Diktator Kim Jong Il tritt unter Tränen endgültig zurück und bittet um Vergebung für seine Tyrannei der letzten Jahrzehnte. Er wünscht sich Nordkorea als offenes Land, als strahlendes Beispiel für Frieden und Toleranz, und beginnt eigenhändig, die Mauer zwischen Nord- und Südkorea einzureissen. Ende Mai taucht Lukas Podolski wieder auf und wird Spielertrainer der gesamtkoreanischen Fußballnationalmannschaft. Währenddessen wird Mönchengladbach nach einer noch nie da gewesenen Aufholjagd Deutscher Meister.

Juni: In Europa sind Portugal, Spanien, Italien, Polen, Österreich und Frankreich von der Pleite bedroht. Der Euro-Rettungsschirm wird auf 750.000 Milliarden Euro erweitert. Vergeblich. Die EU meldet Insolvenz an. Der Euro wird abgeschafft, Europa wird von China gekauft. Gouverneur von Europa wird Kim Jong Il, Ex-Diktator von Nord-Korea und enger Freund der chinesischen Regierung, dem es als Rentner doch zu langweilig ist.

Juli: Schweres Unglück in Deutschland. Sachsen sackt ab. Es entsteht ein 45 Meter tiefes Loch mit 300 Kilometer Durchmesser. 50.000 Menschen sterben, krabbeln jedoch 3 Tage später putzmunter aus dem Loch. Ein Wunder. Guido Westerwelle eilt zum Unglücksort und spricht seine enorme Betroffenheit aus. Doch niemand hört ihm zu. Westerwelle tritt daraufhin beleidigt als Messias zurück. Der sächsische Krater geht als weltgrößtes Sommerloch in die Geschichte ein.

August: Kim Jong Il hält seine Antrittsrede als Gouverneur von Europa im Berliner Reichstag. Danach wird der Reichstag mit einer überdimensionalen Flagge mit dem Konterfei Kims umhüllt. Sämtliche Männer ab 15 bis 85 und alle Frauen im Alter von 13 bis 73 werden in die neue europäische Volksarmee einberufen. Europa hat damit die größte Armee der Welt, jedoch kein Volk mehr. Lukas Podolski wird Generalstabschef.

September: Sensation in Berlin: Aus der Reichstagskuppel wachsen Blumen. Echte Blumen. Der Verdacht fällt sofort auf den Deutsch-Afghanen Haschem Oda Hasch Emnet. Dieser ist aber, wie sich herausstellt, im Juni an einer Überdosis Rucola gestorben. Die Welt rätselt. Woher kommen diese Blumen? Bei der persönlichen Besichtigung des Phänomens wird Kim Jong Il plötzlich von einer der Blumen gefressen. Skandal. 3 Tage später enthüllt Wikileaks, dass es sich um das sogenannte Gemeine Fettkraut, eine fleischfressende Pflanze handelt. Julian Assange wird Kim Jongs Nachfolger als Gouverneur von Europa.

Oktober: Das Rätsel um die Blumen auf dem Berliner Reichstag ist dank Wikileaks geklärt. Es handelt sich um das neue Flowerpower-App, das erste Produkt einer bislang unbekannten Firma auf den Jungferninseln. Diese neue Generation der Apps sind digitale Tools, haben jedoch die neuartige nanoenergetische Fähigkeit, Blumen überall dort wachsen zu lassen, wo App-Nutzer es mit ihrem Smartphone tun. Eine epochale Entwicklung. Die Öffentlichkeit ist paralysiert. Lukas Podolski bringt ein App von sich als Linksaußen des 1.FC Köln auf den Markt. Köln-Fans sind begeistert. Der Messias ist wieder da.

November: Köln + Lukas Podolski spielen immer miserabler. Das sagenumwobene Flowerpower-App ist ein Fake, wie Wikileaks enthüllt. Daraufhin enthüllt Openleaks, die Meldung von Wikileaks sei ein Fake. Ungeachtet dessen wird Mark Zuckerberg von den Vereinten Nationen zum neuen Messias erklärt. Die Arabische Liga stellt jedoch Mesut Özil als neuen Messias vor. Ja, wer denn nun?! Angela Merkel, inzwischen Bundespräsidentin, plädiert für Besonnnenheit und erklärt Lena Meyer-Landtrup zum neuen Messias. Diese lehnt jedoch ab. Sie hasse Sandalen. Zum neuen Messias wird daraufhin Bauer Josef aus Bauer sucht Frau erklärt. Seine Frau Narumol versteht das alles nicht und nimmt sich das Leben. 3 Tage später steht sie wieder auf und wird ebenfalls zum Messias erklärt.

Dezember: Bei RTL kommt es zur großen Messias-Spenden-Gala. Alle Zuschauer sind dazu aufgerufen, per neuem, “exklusivem” RTL-Messias-App ihren eigenen Messias zu spenden, damit die Welt endlich gerettet werden kann. Deutschland zeigt sich spendabel. Insgesamt kommen bei der Final-Show an Heiligabend 12,9 Millionen Messiasse zusammen. Show-Gast Dieter Bohlen findet das “einen totalen Abkotz, dass jetzt jeder sein eigener Messias sein kann” und erschießt sich am Ende der Spendengala live im Studio. 3 Tage später ist er immer noch nicht tot. An Silvester betrinkt sich die ganze Welt mit Messias-Portwein. Cheers.

Person of the year

Für alle Mutigen und welche, die es werden wollen; für alle, die nicht nur reden, sondern auch was zu sagen haben; für alle Abenteurer und -Billiger; für alle, die von der Nadel im Heuhaufen gestochen wurden; für alle, die einen Plan haben; für alle, die keinen Plan haben; für alle, die den Knall gehört haben; für alle, die den Knall noch hören werden; für alle:

Mein Vorschlag an das TIME-Magazin zur Person des Jahres [in der Hoffnung, dass sie noch lebt]:

Vogel Strauss-Taktik 2010

Zu ungeahnter Anwendungsbeliebtheit kommt in diesen Tagen eine Strategie aus der Tierwelt, insb. wenn es darum geht, Probleme zu lösen oder über Unstimmigkeiten zu kommunizieren: Den Kopf in den Sand stecken – die altbekannte Vogel Strauss-Taktik.

Man könnte es auch als pure Ignoranz beschreiben, eine Art der Aggression, weil man den anderen im spekulativen Regen stehen lässt, in Unwissenheit darüber, was eigentlich los ist. Oft zu erleben sowohl B2B (>> Business) als auch in persönlichen Beziehungen.

Duchaus interessant erscheint dabei die Frage, was man sich mit dem Kopf im Sand verspricht, außer dass es vielleicht bequemer ist, sich mit etwas nicht auseinander setzen zu müssen.

Noch interessanter finde ich allerdings die Tatsache, dass es sich bei dieser viel zitierten Vogel Strauss-Taktik schlichtweg um ein Märchen handelt, das jeden Wahrheitsgehalt entbehrt. Kein Vogel Strauss steckt in Wirklichkeit seinen Kopf in den Sand. Warum sollte er auch. Da bekäme er nur Sand in die Augen, Ohren und Nase und würde sich Infektionen zuziehen.

Menschen praktizieren jedoch weitläufig eine Strategie aus dem Tierreich, die überhaupt keine ist, und machen den Vogel Strauss damit zu einem der Sündenböcke der Evolution.

Insofern erscheint mir die wirkliche Vogel-Strauss-Taktik eine ganz andere: Auf dicken Eiern einen langen Hals machen und wenn einer was dagegen hat, immer schön drauf einhacken!

Nein, ich nehme mich davon gar nicht unbedingt aus. Ich entschuldige mich jedoch bei Dir, geschätzter Vogel Strauss, für alle, denen Du nie ein Vorbild warst.